GEROK, Karl, Theologe und Dichter, * 30.1. 1815
als Pfarrerssohn in Vaihingen an der Enz, † 14.1.
1890 in Stuttgart. - G. besuchte das Gymnasium in
Stuttgart, wo Gustav Schwab sein Lehrer war und
seine Dichtergabe weckte. Er bezog 1832 das »Theologische Stift« in Tübingen und wurde 1837 Vikar
seines Vaters in Stuttgart, 1840 Repetent am »Tübinger Stift« und 1844 Diakonus in Böblingen. Seit
1849 wirkte G. in Stuttgart, zunächst als Diakonus
an der Hospital- und dann an der Stiftskirche, 1852
bis 1862 als Archidiakonus an der Stiftskirche und
Dekan der Landdiözese, danach als Stadtpfarrer an
der Hospitalkirche und Dekan der Stadtdiözese, seit
1868 als Oberhofprediger und Mitglied des Konsistoriums mit dem Titel und Rang eines Prälaten. - G.
war ein hervorragender Prediger und ist bekannt als
der meistgelesene religiöse Lyriker der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts. Seine Gedichte sind aber
für den Gemeindegesang nicht geeignet und haben
darum nur wenig in den Gesangbüchern Aufnahme
gefunden. Genannt seien: »Sieh uns fertig, gegenwärtig, anzubeten, Herr, vor dir«, »Danket dem
Schöpfer und preist den Erhalter, dessen Barmherzigkeit immer noch neu!«, »Ich klopfe an zum heiligen
Advent und stehe vor der Tür«, »Selig, wer im Weltgebrause nach der obern Gottesstadt, nach dem rechten Vaterhause stets ein Fenster offen hat«, »Durch
manche Länderstrecke trug ich den Wanderstab« und
»Ich möchte heim! Mich zieht's zum Vaterhause.«
Werke: Evv.predigten, 1856; Epistelpredigten, 1858; Pilgerbrot,
1866; Aus ernster Zeit, 1873; Hirtenstimmen, 1880; Brosamen,
1887; Trost u. Weihe (Kasualreden), 1890; Von Jerusalem nach
Rom. Bibelstunden über die Apg, 2 Bde., 1868; Die Pss in Bibelstunden, 3 Bde., 1891; Das Gebet des Herrn in Morgen- u.
Abendgebeten, 1854. - Gedichtsmlg.en: Palmbll., 1857 (1902
123);
Pfingstrosen (dichter. Behandlung der Apg), 1864 (1876
6); Blumen u. Sterne (Smlg. verm. Gedichte), 1868 (1896
16); Dt. Ostern
(vaterländ. Lieder), 1871 (1872
2); Palmbll. (NF), 1878 (1885
8
u.
d. T.: Auf einsamen Gängen); Von Bethlehem bis Golgatha,
1881; Der letzte Strauß (NF der »Blumen u. Sterne«), 1884; Unter dem Abendstern, 1886 (1890
5); Christkind (13 Lieder zu den
Bildern v. Paul Mohn), 1887; Vor Feierabend (Nachlaßwerke),
1890. - Ausgew. Dichtungen, 1907. - Gab heraus: Paul Gerhardts (1878, 1907
6) u. Martin Luthers geistl. Lieder.
Lit.: Karl Gerok, Jugenderinnerungen, 1876 (18986); - AELKZ
1890, 149 ff.; - Hermann Mosapp, K. G., 1890; - Friedrich
Braun, Erinnerungen an K. G., 1891; - Gustav Gerok, K. G.
Ein Lb. aus seinen Briefen u. Aufzeichnungen, 1892; - August
Otto, K. G., 1898; - Rudolf Krauß, Schwäb. Lit.gesch. II, 1899,
239 ff.; - DEBL 1901, 22 ff.; - Johannes Plath u. Johannes
Kulp, Liederkunde, 1931, 277; - Alfred Niebergall, Die Gesch.
der christi. Predigt, in: Leiturgis II, 1955, 329; - Karl
Gerok,
Schwäb. Jugend. Jugenderinnerungen (Ausz.). Bearb. v. Kurt
Breitenbücher, 1970; - Kosch, LL I, 641; - Wilpert 12, 567; -
ADB 49, 307 ff.; - NDB VI, 314 f.; - RE VI, 608 ff.; - RGG II,
1446.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2009
Martin Brecht, K.G.: "Deutsche Ostern" (1871). Oder: Wo d. christl. Pegasus beim Galoppieren hingerät, in: BlWK 108/109.2008/2009, S. 347-361.
Letzte Änderung: 09.04.2011